Detlef Hartung – Georg Trenz


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Narciß und Echo
permanente Installation
Stiftung Kunst:Raum Sylt–Quelle – in Zusammenarbeit mit Galerie Seippel, Sylt 2003

Was ist an einem Spiegel sichtbar?
Die Quelle ist ein Spiegel.
Der Spiegel ist die Idee der Reflexion, des Sich–Erkennens. Übersprudelnd wird der Innenraum der Kulturquelle auf Sylt mit wellenförmigen Zeilen beschrieben. Die sich im Raum brechenden Texte erinnern an den Ursprung der Erkenntnis durch das Hinterfragen des eigenen Spiegelbildes.

Ist der Affe, der hinter dem Spiegel sein Gegenüber vermutet nicht weiter als derjenige, der sein Spiegelbild für bare Münze nimmt. Sieht der doch nur das was er sehen möchte.

Den Spiegel zu spiegeln als Grundlage des kreativen Prozesses, das Reflektieren der eigenen Wahrnehmung beschreiben die Textkatarakte in der Sylter Kulturquelle. Zwischen ihnen blitzen Fragmente auf aus Texten von Literaturstipendiaten der Kulturquelle auf Sylt.

Assoziationsgrundlage bilden verschiedene Themen aus Ovid’s Metamorphosen (selbst ein unerschöpflicher Quell archaischer Bilder und Begriffe) insbesondere Narziß und Echo. Neben den Themen der Selbstreflexion, der Liebe, des Nicht–Erkennens usw. geht es hier um das Verhältnis und die Beziehung von Bild (Narziß) und Sprache (Echo).

Die Quell– und Echoprojektionen eröffnen dem Betrachter einen Kosmos, der ihn umschließt und es ihm erlaubt seine eigenen individuellen Bilder und Worte zu entdecken und weiterzuschreiben. Bild und Wort als geistiges Grundnahrungsmittel des Menschen in direkter assoziative Verbindung mit Wasser, Quelle und Meer intendieren natürlich auch den permanenten Kreislauf dieses Geschehens.

Der Blick auf den Spiegel, die Membran der Wasseroberfläche, der Moment in dem sich Narziß erkennt und verliert, zum ersten Mal etwas begehrt ohne es exakt benennen zu können, sprachlos wissend, erfährt seine architektonische, 3–dimensionale Entsprechung im pro– jizierten Wort– Bildraum der Kulturquelle.

Und wie sich das im Wasser gespiegelte Bild verliert, wenn man versucht es zu berühren, strömen aus dem Inneren des Gebäudes vereinzelt Wellen und Kreissegmente hinein in die Dünenlandschaft und suchen das Meer und den Menschen. Diesem begegnen abends Sätze und Sequenzen, die direkt dem “Dialog” von Narziß und Echo entstammen. Sie berühren ihn, ohne sich berühren oder besitzen zu lassen.

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